Mittwoch, 5. April 2017

Nur einen Tag nicht von den Kindern sprechen...

Ich weiß nicht wie es bei euch ist, aber es gibt Situationen in denen möchte ich nicht über Kinder sprechen. Nicht weil sie mir nicht lieb sind, oder weil ich sie als störend empfinde, sondern weil ich einfach nicht in die Mutter Schublade gesteckt werden möchte.

So auch heute. Ich habe mir in der Arbeit erbeten, an einer Tagung teilnehmen zu dürfen, die vor allem mein Basiswissen in einem meiner Arbeitsbereiche mit wissenschaftliche Studien untermauern, mir mal so richtig viel neuen Input für zukünftige Projekte und auch ein bisschen Material um inhaltlich zu glänzen mitgeben sollte. Ich hab mich total gefreut. Auf der Tagesordnung standen wissenschaftliche Vorträge im 45 Minuten Rhythmus und ich wollte mal wieder ein bisschen smalltalken, ein bisschen networken und ein paar tiefgründige inhaltliche Gespräche führen. Ganz ohne das Thema Kinder. 

Ich bin also hoch motiviert, treffe in der Straßenbahn schon eine nette Nachbarin die gerade zur Arbeit fährt und wir plaudern ein bisschen. Am Fußweg zum Veranstaltungsort fährt ein Fahrradfahrer extra für mich zur Seite, damit ich nicht ausweichen muss. Ich lächle im zu und freue mich über den schon so gut beginnenden Tag. Ohne langes Suchen finde ich den Eingang zum Veranstaltungsort. Voller Vorfreude und Zuversicht gehe ich zum Empfang, um mir meine Tagungsunterlagen abzuholen. Ich lehne mich ein Stück nach vorne. In diesem Moment fällt just aus meiner Manteltasche ein kleines blaues Spielzeugauto - selbstfahrend, versteht sich - und macht sich mit einem leisen surren auf den Weg Richtung Lackschuh eines neben mir stehenden Mannes. Es kommt natürlich erst zum Stehen, als es eben diesen Lackschuh berührt und surrend ausläuft. Ich lächle den Mann an, bücke mich und verstaue schamerfüllt das Auto wieder in der Jackentasche. Das surrt freundlicherweise noch einmal nach. Ich interpretiere es als Danksagung, dass ich es nicht dem Lackschuhmann überlassen habe, nehme mein Namensschild und betrete verlegen lächelnd den Tagungsraum. Gut, es ist noch nicht alles verloren, diesen kleinen Autofauxpas haben nur 20% der Teilnehmer/innen gesehen. Ich hab also noch 80% mit denen ich seriöse Gespräche führen kann. 

Ich suche mir ein Plätzchen weit weg vom Lackschuhmann, bei Menschen die mich vorher noch nicht gesehen haben. Eine junge Frau sitzt hinter mir und tupft mir auf die Schulter. "Sie haben da etwas", raunt sie mir zu. Ich blicke auf die Schulter meines Sakkos uns siehe da: ein Schleimfleck im Durchmesser einer Kinderhandfläche ziert meine rechte Schulter. Ich überlege kurz ob es Rotz oder Frühstücksmarmelade ist, will es dann aber nicht näher definieren und sage verlegen: "Ach, dass gehört so!" Ich denke darüber nach den Platz zu wechseln, verwerfe es aber. Die junge Frau hat sich schon an den Schleimfleck gewöhnt, da muss ich wenigstens nichts mehr erklären. Fest entschlossen weiterhin positiv zu bleiben beginnt der erste Vortrag und ich zücke meinen Stift. Die ersten wichtigen Worte niedergeschrieben bemerke ich, dass schwarze Tinte über meine Finger rinnt. Ich sehe aus als hätte ich in ein Tintenfass gegriffen und mit meinem verzweifelten Versuch die Farbe mit Taschentüchern wieder von den Fingern zu wischen, lenke ich alle Aufmerksamkeit der Teilnehmer/innen rund um mich auf mich. Von Seriosität keine Spur mehr. 

Ein paar Plätze weiter wirft jemand ein Glas Wasser um. Ich unterdrücke meinen Impuls aufzuspringen, auf die Person zu zeigen und zu sagen: "War das jetzt notwendig. Ständig muss ich dir nachputzen." Ich sammel mich wieder. Ich entdecke noch einen Zahnpastafleck auf meiner Wade. Ich versuche mich selbst zu beruhigen: Alles wird gut. Der restliche Vormittag verläuft ohne Zwischenfälle. 

Mittagessen. Es kann nur noch besser werden. Ich treffe am Buffet auf eine junge Frau. Sehr sympathisch. Wir stellen uns beim Essen zusammen und plaudern über dies und das. Sie ist in ihren jungen Jahren schon PR-Chefin einer NGO. Ich bin beeindruckt. Lustig und charmant fachsimpeln wir, bis ich plötzlich meinen Mund das Wort "ELTERNTEILZEIT" formen höre. NEEEIIINNNN... schon war es geschehen. Ich finde mich in einer Diskussion rund um Vereinbarkeit von Beruf und Kindern, Kindergärten und die Roller der Männer in der Kindererziehung wieder. Super, da wollt ich hin...perfekt! Die Mittagspause vergeht - zum Glück. 

Um 14:30h ist mein Elternteilzeithirn auf heimgehen programmiert und hält einen wissenschaftlichen Vortrag auf englisch nicht stand. Ich bemühe mich die Augen offen zu halten und nicht einzuschlafen. Mäßig erfolgreich. Den letzten Vortrag hält eine junge Wissenschaftlerin vom Jugendforschungsinstitut aus Wien. Jetzt fühl ich mich auch noch alt.

Die Tagung ist aus. Ich verabschiede mich von der jungen Frau, die schon jetzt meinen Namen nicht weiß, sich aber den Rest ihres Lebens an die Geschichte über die Kindergarteneingewöhung meiner Kinder erinnern wird. 

Den Heimweg bestreite ich zu Fuß. Meine Hand gleitet in meine Jackentasche, ich spüre das kleine, blaue Auto, denke an den Tag zurück und muss lachen.

Jaja, manchmal kommt es anders...aber was fix immer am Ende meiner Blogeinträge kommt ist ein neues genähtes Werk. Heute zeig ich euch eine wunderschöne Vincetta von Himmelblau. Die kommt ohne viele Worte aus.










Kommentare :

Copyright © 2014 VaNCes Welt!